Grillen mit dem Wohnmobil: Gas, Holzkohle oder Plancha?
Welche Grills eignen sich fürs Campen? Ehrliche Erfahrungen zu Gas-, Holzkohle- und Elektrogrills – praxisnah, fair und unCampliziert erklärt.

Zwischen Grillzange und Platzordnung – was unterwegs wirklich funktioniert
Einleitung
Kaum stehen die Keile, geht sie los – die wichtigste Frage des Abends: Was kommt auf den Grill?
Grillen gehört zum Campen wie der Klappstuhl zum Sonnenuntergang. Es ist dieses Gefühl von Freiheit. Draussen kochen, draussen essen, draussen leben.
Und dann kommt der Realitätscheck:
Ist das hier überhaupt erlaubt?
Zwischen Holzkohle, Gasgrill, Plancha oder Elektro liegen im Campingalltag kleine, aber entscheidende Unterschiede. Manche bringen Genuss. Andere eher ein Gespräch mit dem Platzwart.
Zeit für eine ehrliche Einordnung. Ganz unCampliziert.
Holzkohlegrill – Herz, Rauch und ein bisschen Risiko
Der Klassiker.
Feuer. Glut. Knistern.
Grillaroma, das man schon riecht, bevor das Steak draufliegt.
Romantisch? Ja.
Alltagstauglich? Nicht immer.
Auf vielen Campingplätzen ist offenes Feuer schlicht verboten. Besonders in Südeuropa oder in waldnahen Gebieten ist die Brandgefahr ein ernstes Thema. Offizielle Hinweise dazu geben in der Schweiz etwa die kantonalen Feuerpolizeien oder die Plattform des Bundesamts für Umwelt BAFU zu Waldbrandgefahr.
Und dann ist da noch der Rauch.
Er zieht. Meist genau dahin, wo man ihn nicht haben will.
Unsere Erfahrung:
Perfekt an einem Strand, auf einem privaten Grundstück oder dort, wo es ausdrücklich erlaubt ist. Auf klassischen Campingplätzen eher die Ausnahme.
Ein bisschen wie Lagerfeuer im Wohnzimmer – schön, aber selten praktikabel.
Gasgrill – der pragmatische Camper
Wenn es um Grillen mit dem Wohnmobil geht, ist der Gasgrill oft der vernünftigste Begleiter.
Deckel auf. Zündung. Hitze da.
Kaum Rauch. Gut regulierbar. Schnell wieder verstaut.
Wichtig – und das wird oft vergessen:
Wer über die Gassteckdose am Wohnmobil grillt, braucht einen 30-mbar-Gasgrill. Alles andere führt zu schwacher Leistung oder schlicht zu Frust.
Vorteile im Alltag:
– auf den meisten Campingplätzen erlaubt
– schnell einsatzbereit
– sauber
– gut kontrollierbare Temperatur
Nachteile:
– Anschlüsse müssen passen
– ein Grundverständnis für Gasinstallation schadet nicht
Für viele Wohnmobilisten ist das die beste Lösung.
Unkompliziert, respektvoll gegenüber den Nachbarn und technisch überschaubar.
Elektrogrill – theoretisch einfach, praktisch heikel
Stecker rein und los?
Manchmal.
Gerade auf südlichen Campingplätzen sind Stromanschlüsse schwach abgesichert. Wenn Elektrogrill, Wasserkocher und Klimaanlage gleichzeitig laufen, wird es schnell dunkel.
Und zwar nicht nur bei dir.
Vorteile:
– kein offenes Feuer
– wenig Rauch
– teilweise auch unter Dach nutzbar
Nachteile:
– hoher Strombedarf
– wenig mobil
– abhängig von der Platzinfrastruktur
Unsere Erfahrung:
Funktioniert nur dort gut, wo die Stromversorgung stabil ist. Sonst wird das gemütliche Abendessen schnell zur Ursachenforschung am Sicherungskasten.
Unser Setup – Plancha und ein kleines Stück Keramik
Wir mögen es flexibel.
In der Heckgarage läuft bei uns ein Auszug mit integrierter Plancha. Ideal für Fisch, Gemüse oder schnelle Steaks. Sauber, kontrolliert, wenig Rauch.
Wenn wir länger an einem Ort bleiben und es etwas gemütlicher wird, kommt das Big Green Egg MiniMax zum Einsatz.
Unglaublich stabil in der Temperatur. Vielseitig wie ein kleiner Outdoor-Ofen. Geschmacklich sehr nah am klassischen Holzkohlegrill.
Aber:
Schwer.
Braucht Zuladung.
Nichts für Minimalisten.
Es ist kein Muss.
Aber es macht Freude.
Camping-taugliche Alternativen
Ein paar Modelle, die wir unterwegs gesehen oder getestet haben:
LotusGrill
Rauchreduzierter Holzkohlegrill mit Lüfter. Schnell einsatzbereit, kompakt, geschmacklich solide – aber ohne grosses Lagerfeuergefühl.
Cobb Grill
Mehr Outdoor-Ofen als Grill. Sehr vielseitig, braucht etwas Übung.
Skotti Grill
Extrem kompakt und faltbar. Ideal für Minimalisten oder kleine Fahrzeuge.
Napoleon TravelQ
Solide, bewährt, gute Leistung. Nicht ganz leicht, aber zuverlässig.
Entscheidend ist weniger das Modell – sondern wie gut es zu deinem Fahrzeug, deiner Zuladung und deinem Reisestil passt.
Die goldene Regel beim Grillen mit dem Wohnmobil
Egal ob Gasgrill, Holzkohle oder Plancha:
Rücksicht ist das beste Grillgewürz.
– Vorher klären, was erlaubt ist
– Rauch und Gerüche im Blick behalten
– Zeiten respektieren
– Nachbarn mitdenken
Ich habe schon erlebt, wie aus einem gemütlichen Grillabend ein Gespräch mit Feuerlöscher in Griffnähe wurde. Muss man nicht haben.
Ein kurzer Blick in die Platzordnung spart viel Diskussion.
Persönlicher Einschub
Für uns ist Grillen Teil vom Wohnmobil-Leben.
Aber nicht um jeden Preis.
Wenn der Platz eng ist oder die Stimmung sensibel, greifen wir zur Plancha oder kochen einfach drinnen. Freiheit heisst für mich nicht, alles zu tun – sondern entspannt bleiben zu können.
Und ehrlich:
Wenn die Sonne untergeht und Loui & Gino neben dem Tisch sitzen und hoffen, dass etwas runterfällt, ist es fast egal, ob das Steak vom Gasgrill oder aus der Pfanne kommt.
Fazit – Grillen geht fast immer. Wenn man es passend macht.
Es gibt nicht den perfekten Campinggrill.
Aber es gibt eine passende Lösung für deinen Stil.
Holzkohle für besondere Momente.
Gas für den Alltag.
Elektro nur mit stabiler Infrastruktur.
Plancha für unkomplizierten Genuss.
Am Ende zählt nicht die Technik.
Sondern dieser Moment draussen vor dem Wohnmobil.
Leicht nach Rauch riechend.
Mit zufriedenen Hunden unter dem Tisch.
Und ohne Diskussion mit dem Platzwart.



